241 Lietuviø kalbos enciklopedija
von Enzyklopädieartikeln. Da in jedem Artikel weiterführende Literatur genannt
wird, kann sich der Interessent problemlos zusätzliche Informationen verschaffen.
Einige Bemerkungen mögen aber gestattet sein.
Nicht völlig klar scheint mir die Darstellung im Artikel über de Saussures
Gesetz (Saussureo ir Fortunatovo dësnis, S. 556): Der Iktus wird von einer
zirkumflektierten (oder kurzen) ersten Silbe auf eine folgende akutierte Silbe ver-
lagert, wie etwa rankà (gegenüber Akk. rañkà) zeigt. Dann sollte man aber wohl in
der Ausgangsform *rankâ auch die entsprechenden Markierungen vornehmen:
Einmal müßte ein Zirkumflex auf -n- stehen, ferner sollte der Anfangsiktus be-
zeichnet werden, also müßte man etwa *rañk ( bezeichnet einen akutierten
Langvokal) schreiben und ausführen, daß der akutierte Langvokal den Iktus
angezogen hat. In lit. rankà ist dann noch Kürzung nach Leskiens Gesetz (S. 366)
erfolgt. Auf S. 37 muß der Zirkumflex bei kqlë durch einen Akut ersetzt werden
(richtig: kblë).
Von besonderem Interesse sind diejenigen Abschnitte, die generelle Probleme der
Sprachwissenschaft aus dem Blickwinkel des Litauischen beleuchten. Hier sind die
Artikel über Standardsprache und Soziolinguistik speziell hervorzuheben. Der Ar-
tikel bendrinë kalba (S. 87ff.) zeigt den Entwicklungsgang einer litauischen Schrift-
sprache von der ersten Überlieferung bis zum ausgehenden 19. Jahrhundert auf, als
sich die jetzt gültige Standardform herausbildete. Im Artikel sociolingvistika
(S.594) wird besonders auf die Verhältnisse bei einer Sprache, die im Umkreis und
unter dem Einfluß von Sprachen mit höherer Sprecherzahl (Polnisch und Russisch)
steht, eingegangen; auf die einschlägigen Arbeiten von Simas Karaliûnas wird
gebührend hingewiesen. Ein Ruhmesblatt für die litauische Sprachwissenschaft
stellt der mit þodynø istorija (S. 731ff.) überschriebene Artikel dar: eindrucksvoll
werden die Leistungen vorgestellt, die in erster Linie litauische Forscher im Bereich
der Lexikographie aufzuweisen haben.
Das Zeichen wird innerhalb eines Artikels jeweils verwendet, um das Kopf-
wort zu symbolisieren. Das mag eine geringfügige Platzersparnis zur Folge haben.
Ein derartiges Verfahren ist auch im Englischen durchaus sinnvoll, weil ja das
Kopfwort kaum einer Veränderung unterworfen ist. Im Litauischen muß aber das
Kopfwort in allen Kasus durchdekliniert werden. Dies bedeutet, daß der Leser
jeweils sich das gesamte Deklinationssystem vergegenwärtigen muß. Für den na-
tive speaker wird hier keine Schwierigkeit bestehen. Aber diejenigen Leser, deren
Muttersprache eben nicht das Litauische ist, werden unweigerlich immer wieder
nachdenken müssen, welche Form im konkreten Zusammenhang erforderlich ist,
und vergeuden unnötig Zeit. Nach meinem Dafürhalten wäre es zweckmäßiger, von
derartigen Abkürzungsverfahren abzusehen.
Das sorgfältig recherchierte und edierte Werk ist auf Litauisch geschrieben.
Dadurch wird es leider nur teilweise die Verbreitung und Beachtung finden, die
ihm gebührt. Eine englischsprachige Ausgabe wäre sicherlich sehr wünschenswert.
Diese sollte bestimmt nicht eine reine Übersetzung sein. Am ehesten käme eine
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